Dies ist eine Geschichte, die ich mal geschrieben habe in Anlehnung an
die Fantasy-Drachen-Homepage meiner Freundin Meriamon... Sie hat sie
zuerst veröffentlicht und nun möchte ich es auch tun, wahrscheinlich spricht
sie nur die echten Fantasy-Fans an, ausserdem ist sie ziemlich rührselig -
ach, was soll´s, lest selbst!

Die Geschichte von Laurien, dem bunten Drachen

Laurien, der kleine weisse Drache lief traurig durch die vom aufgehenden Sonnenlicht durchfluteten Wälder. Er murmelte leise wie das ferne Rauschen eines Gebirgsbachs zu sich selber:

"Es wird wohl nirgends einer wie ich sein – einer der zu seinen weissen Permuttschuppen einen moosgrünen Bauch hat... tz, tz, fauch... Na ja, nicht grade moosgrün... Eher wie...wie... hm, wie was eigentlich? Ich hab´s! So wie der alte dicke Karpfen im Hainweiher. Tz, tz, fauch..."

So ging der Drachenjüngling vor sich hin und hing seinem Kummer über den schillernden Bauch nach. Es gab viele Farben von Drachen in seiner Heimat, dem "Rock of Dragonfire". Es gab rote, blaue, goldene und natürlich auch grüne und weisse Drachen in den mit den Schwänzen herausgepeitschten Höhlen des Rocks. Auch ein paar seltene silberne Arten lebten dort. Aber eben keiner wie der kleine Laurien. Zweifarbige Drachen gab es einfach nicht, basta! So sagte es jedenfalls Owirain, der Älteste. Der mit seinem seltsamen Goldton wohl auch nicht gerade zu den Schönsten gehörte, dachte sich Laurien, während er unbeholfen über eine vorwitzig hochstehende Wurzel hopste. Jeder der in diesem Frühjahr einen Dreierlauf zählte, hatte schon eine Drachin gewählt und ihr als Zeichen seiner Verbundenheit zwei Edelsteine in ihrer und seiner Farbe vom Gipfel des Felsen geholt. Laurien war so fest überzeugt davon, dass er dies nie würde tun können, wie die Wände von Rock Dragonfire hart waren. Wie auch, mit einem grünen Bauch...? Gedankenverloren strich er sich über eben diesen hinweg.

Auf einmal hielt Laurien inne. Wo im Namen "Loko´s des Feuerspeiers" war er eigentlich? (Entschuldigt die drachische Redensart..., aber so sagt man nunmal!) Als er in seine Grübeleien vertieft durch den Wald gewatschelt war, musste Laurien sich verirrt haben. Dieses Gebiet hier kam ihm jedenfalls nicht bekannt vor. Bereits etwas in Panik sah er sich um. Man lief nicht so weit fort, wenn es weit und breit keinen Platz gab, von dem man notfalls in die Lüfte aufsteigen konnte.

Laurien ging noch ein paar Schritte weiter, die Klauen fest in den Waldboden gekratzt.

Wo bin ich hier...? Er dreht sich in diesem Moment zur Seite und entdeckte auf einmal den schönsten kleinen See, den er je gesehen hatte. Das Wasser glitzerte in allen Re-genbogenfarben. Und dort – was war denn das? Laurien ging näher ans Wasser. Sein Spiegelbild hob sich klar im See ab. Doch hoppla, was war das? Etwas spiegelte sich weiter drüben ebenfalls im Weiher. Das Abbild war etwas verwischt, durch die ziehenden Kreise im Nass, wenn jemand darin plätschert. Aber Laurien sah es ganz deutlich: Es war ein weisser Drache, einer mit sehr langen Augenwimpern und... einem grünen Bauch! Im gleichen Moment hoben Laurien und die junge Drachin die Augen und sahen sich an. Und im gleichen Augenblick floss hier wie auch drüben eine glückliche kleine Träne ins Spiegelbild und zog kleine Kreise in den See.

"Mein Name ist Lauraine und ich suchte Dich so lange."

Und dann fielen sich zwei Drachen, die in diesem Frühling das Glück doch noch gefunden hatten, in die kleinen Krallenhände und rieben fröhlich zwei grüne Bäuche aneinander, die doch komischerweise zu zwei seltenen, aber wunderschönen weissen Körpern gehörten...

Was sagt man dazu? Tz, tz, fauch...

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